Dienstag, 17. August 2010

Wunderland 11. Teil
"Aber wie kam Sam zur Vereinigung zur Förderung der revolutionären Frömmigkeit revolutionärer Männer, resp. das Manuskript meines Frauenhassers zu Sam, resp. Sam zu dem Mädchen? "

Vereinigung zur Förderung der revolutionären Frömmigkeit revolutionärer Männer

"Das Mädchen konnte es nicht gewesen sein, andrerseits mußte sie es gewesen sein, niemand außer ihr – und mir - hatte das Manuskript, außer das Manuskript wäre ohne ihr Wissen, resp. gegen ihren Willen in andere Hände geraten. Aber wie - in so kurzer Zeit?

Es war sechs Tage her, daß ich dem Mädchen das Manuskript geschickt hatte. Sollte sie geantwortet haben, könnte ihre Antwort schon eingelangt sein, dachte ich, und ging zum Briefkasten - wo mich die zweite Überraschung erwartete. Ich hatte einen Brief, allerdings von Sam. Er entschuldigte sich beim hochverehrten und lieben Kollegen, daß er sich, so lange nicht gemeldet hätte, das wunderte mich, wir waren niemals Freunde gewesen, ich verachtete ihn wegen seines Vaters und wegen AC/DC, er wäre ein Bewunderer meiner Dichtung, das wunderte mich noch mehr, während unserer Schulzeit hätte er sich niemals getraut, es zu sagen, vor allem würde er jene in der Beschaulichkeit publizierte Stelle meines Jahreszeitengedichts bewundern,
Bald kommt der Frühling,
Dann sind wir frei,
Nicht ewig währt die Tyrannei,

die er den Auftakt unserer Revolution nannte, das wunderte mich am meisten, weil Sam die Revolution, die er, wie wir alle, für eine proletarische hielt, immer nur verächtlich gemacht hatte. Ihr Weicheier, Sie verzeihen, der Feine wandte sich wieder an mich,ich zitiere nur Sam, Eure Revolution bringt die ganze Proleten-Bagage aus Süd-Teheran an die Macht - und dann habt Ihr nichts mehr zu lachen, Ihr Salon-Revoluzzer.
Nachdem er nun einige Verse meines, wie er schrieb, genialen Frauenhassers hätte lesen dürfen, könnte er mit seiner Bewunderung nicht länger an sich halten, vor allem der Vers
Du mußt sie bezwingen!
Du mußt sie erziehen!
usw.
hätte es ihm angetan, und in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Vereinigung zur Förderung der revolutionären Frömmigkeit revolutionärer Männer hätte er sich erlaubt, dem Vorstand derselben den Vorschlag zu machen, diesen meinen Vers als Parole für eine von jener Vereinigung orchestrierten Demonstration Teheraner Männer gegen die Demonstrationen privilegierter, vom Ausland gesteuerter Frauen der amerikanisch orientierten Teheraner Oberschicht zu verwenden.
Der Vorschlag wäre angenommen worden, und Lawasani, der besagte Dirketor des Teheraner Rundfunks - Gott habe ihn selig -, und ein Freund, so Sam, der Familie, hätte ihm zugesagt, Deine Parole zur besten Sendezeit auszustrahlen - und danach immer wieder -, um der schrillen Propaganda der Imperialisten, die sonore männliche Stimme Teherans entgegenzuhalten. Wenn mir darüber hinaus gelungen sein sollte, Dir im ganzen Teheran zur Berühmtheit zu verhelfen, wäre mir das eine Ehre.
Mir schwirrte der Kopf und ich war absurderweise geschmeichelt, obwohl mir die Vereinigung der revolutionären Frommen mitnichten zur Berühmtheit verholfen hatte - wie gesagt, meinen Namen hatte niemand genannt.
Aber wie kam Sam, ein Antirevolutionär und Sohn eines Wurstfabrikanten, zu den Revolutionären Frommen, resp. das Manuskript meines Frauenhassers zu Sam, resp. Sam zu dem Mädchen?

wird fortgesetzt

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