Mittwoch, 10. Januar 2018

Zizek in Teheran 151


The Purple Rose of Cairo
Warum ich das ausgerechnet
Durch das Flanieren
Durch die Straßen
Von Teheran
In Erfahrung bringen will?
Kann dir eigentlich wurscht sein
LeserIn

Sollte ich tatsächlich mit dem Gefängnisarzt identifiziert sein
Wäre ich das
Wo immer ich mich befände
Und die Chance, daß ich dieses mein
Projektiv manipulativ
Mit dem Gefängnisarzt
Identifiziertsein
Bestätigt fände
Wäre überall gleich hoch.

OK, mancherorts größer.

Ich verlasse also das Haus
D.h. den Container
In dem sich meine Ordination für Psychoanalyse befindet
Und flaniere
Durch die Straßen der Stadt

Seit den Tagen der Kindheit
Hat sich Teheran
Du weißt schon
Verändert
Die Namen der Straßen
Wegen der Revolution usw.

Aus diesem
Und aus keinem anderen
Grund
Erkennen Dich
Inlands-Teheraner
Die dir auf der Straße begegnen
Sogleich
Als Auslands-Teheraner
Der Mal weggemußt hat
Und lange weg mußte bleiben
Und nach Jahren
Des Wegbleibenmüssens
Ist er jetzt wieder da

Der die alten Namen
Der Straßen
Auf dem Leib trägt
Wie
Der Kaiser
Des Kaisers
Neue
Du weißt schon
Kleider
Und der Teufel
Prada
Um nicht Pravda zu sagen

Die Schari-Fari Street
Im Volksmund Fart Street genannt
In den Tagen der Kindheit:
Alte Schemiranstraße
Verbindet den Süden mit dem Norden
Der Stadt
Wo sich meine Ordination
Du weißt schon
Für Psychoanalyse befindet
Auf der Schari-Fari
Begebe ich mich
Gen Süden

Ich will zum Habitat-Gefängnis.

Auf die Idee
Daß ich dort
Dem Gefängnisarzt
Himself
Begegnen könnte
Komme ich nicht

Und es begibt sich
Daß ich
Von der
Golabi-
Zu Deutsch: Birnen-
In die
Alte Schemiran Straße
Einbiege

Und ich begebe mich
In die  Straßen
Der Kindheit

Und es begibt mich
Daß Menschen
Und Bäume
Und das Blech
Der Autos
Und die Joobs1
Und Bälle
Grünweißrot gestreiftes
Plastik
Der Kinder
Fußball
Spielen
Staub
In den Sackgassen
Unserer Kindheit
Zwar da ist
Aber nicht existiert.

Was immer das sein mag
Existieren.

Kennst du
Carnival of Souls
LeserIn
Ich weiß
Das hatten wir schon
Macht aber nix

Wie das Mädchen in
Carnival of Souls
Tot ist
Und weiß es nicht
Ist Teheran tot
Weiß es aber nicht
Ich aber
Weiß es
Mocht oba nix
Daß sie tot ist
Die Stadt
Rechne ich ihr
Im Gegenteil
Hoch an.

Wie heißt es schnell
In der Schrift

... daß Gott den lebenden Menschen nicht kannte und nicht zu kennen brauchte, sondern weltordnungsmäßig nur mit Leichen zu verkehren hatte ...

Und indem sich das alles
Bewegt
Und in gewissem Sinne auch
Lebt
Aber es ist kein lebendiges Leben
Sondern als würdest du, LeserIn
In einen Film hineinsteigen
So wie die romantisch gesinnte Kellnerin
Cecilia
In Woody Allens
Purple Rose of Cairo
In einen Film hineinsteigt
In den Film im Film
Purple Rose of Cairo
Nein!

Der den Abenteurer
Tom Baxter
darstellende Schauspieler
Gil Shepherd
Steigt aus dem Film im Film
Purple Rose of Cairo
Heraus und in den Film
Purple Rose of Cairo
Hinein.
Um sich
In die romantisch gesinnte
Cecilia
Zu verlieben.

wird fortgesetzt

1 Deep gutters that line most north-south running streets. Plenty of trash gets dumped in on the way and they often get blocked

Donnerstag, 4. Januar 2018

Replik auf Floris Biskamps Kommentar zu einem Kapitel meines Buches „Respektverweigerung“ (2)





Im ersten Teil dieser Replik auf Floris Biskamps Kommentar1 zu einem Kapitel meines Essaybands „Respektverweigerung2 war die Rede davon, dass Biskamp den psychischen Innenraum“ und das Äußere, womit er offenbar das Sprechen3 in gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen meint, als unvermittelt nebeneinander existierende Realitätsfelder auffasst. Etwa dort, wo er meine Interpretation der Schwierigkeiten Linker und Liberaler über den Islam zu reden, dem „Inneren“ und seine eigene Deutung dieses Problems dem „Äußeren“ zuschreibt. Und auch dort, wo er psychologische und soziologische Erklärungsmodelle als einander ausschließende in Stellung bringt, und dabei erstere für ungültig und zweitere für gültig erklärt: 

Rassismus ist nämlich nicht als ein bestimmter verkorkster pathisch-projektiver Ausfluss verkorkster Subjekte zu verstehen, sondern als ein soziales Dominanzverhältnis“.

Noch dort, wo er „Inneres“ und „Äußeres“ in einem Atemzug erwähnt

„Sprechen ist [...] sowohl ein Produkt eines Subjekts als auch ein Element eines gesellschaftlichen Diskurses“,

fasst er Sprechen als Resultat einer Addition zweier gegeneinander abgeschlossener Phänomenbereiche auf. Um dann – ohne nähere Begründung – dafür zu plädieren, sich bei Kritik am Rassismus an zweiterem, also am „gesellschaftlichen Diskurs“ zu orientieren.

Entgesellschaftlichte Subjekte ...

Diese in akademischen Diskursen weit verbreitete Dichotomie – hier das subjektive „Innen“, dort das gesellschaftliche „Außen“ – suggeriert die Existenz eines entgesellschaftlichten Subjekts, das sich „draußen“ mit einer subjektlosen Gesellschaft konfrontiert sieht. Um die Falschheit dieser Dichotomie zu durchschauen, muss man nicht die Schriften Freuds oder jene Adornos über das Verhältnis von Soziologie und Psychoanalyse4 studiert – oder sich mit Lacans Begriff der „Extimität“5 auseinandergesetzt haben (obwohl dies alles natürlich hilfreich wäre). Es genügen einige einfache Überlegungen: Was wir unser Selbst nennen, hat seinen Ursprung nicht im „psychischen Innenraum“, sondern im Außen. Es sind andere, die uns den Namen geben. Die Sprache, die wir sprechen, kommt nicht aus den „Tiefen unseres Selbst“ – wir müssen sie von anderen lernen. Und was wir über uns zu wissen glauben, das Bild, das wir uns von unserem Körper oder von unserer Persönlichkeit machen, ist großteils von Außen importiert. Nach Freud gehört uns nicht einmal unser Unbewusstes – er nennt es „das innere Ausland“. Ich ist, mit Rimbaud zu sprechen, ein Anderer.

Exemplarisch lässt sich dieses dialektische Ineinandergreifen von subjektivem „Innen“ und gesellschaftlichem „Außen“ am ersten Satz6  jenes „realen äußeren Dilemmas“ aufzeigen, das Biskamp in Stellung bringt:

„Wer unter den gegebenen Umständen das, was in islamischen Kontexten kritikwürdig ist, öffentlich kritisiert, läuft immer Gefahr, gewollt oder ungewollt zur Verbündeten von FPÖ, Stürzenberger und Co. zu werden“.

Was hier beschrieben wird, ist nichts anderes als die subjektive Einschätzung Biskamps (und vieler anderer Linker und Liberaler) über mögliche Auswirkungen öffentlichen Redens über den Islam, ein dem „subjektiven Innenraum“ zugehöriges Urteil also. Biskamps Gegenüberstellung – hier „sein“ reales äußeres Dilemma, dort „meine“ innere Blockade in den Köpfen Linker und Liberaler – wird gegenstandslos. Auch sein „äußeres“ Dilemma ist nämlich – als subjektives Urteil – Teil des „psychischen Innenraums“.

Ob diese subjektive Einschätzung aber Anspruch auf Gültigkeit in der äußeren Realität erheben darf, ist alles andere als sicher. Man könnte nämlich mit guten Argumenten, das genaue Gegenteil für wahr halten: Wie oben erwähnt, gehen politische Beobachter davon aus, dass das Bestreben der österreichischen Grünen, im Wahlkampf des Jahres 2017 am Begriff  „Islam“ nicht einmal anzustreifen, wesentlich dazu beigetragen hat, dass diese heute nicht mehr im Parlament vertreten sind. Gerade ihre Tendenz „das was in islamischen Kontexten kritikwürdig“ erscheinen mag, nicht zu benennen, scheint die österreichischen Grünen also zu Verbündeten der FPÖ – und zu Gegnern ihrer eigenen Sache – gemacht zu haben.

Interessieren sollte uns die Beziehung zwischen der subjektiven Einschätzung:

„Wer das, was in islamischen Kontexten kritikwürdig ist, kritisiert, läuft Gefahr, zum Verbündeten von Rassisten zu werden“

und der äußeren Realität, aber auch in einem anderen Sinn: Oben war vom Zusammenhang zwischen der Geburt linker identitätspolitischer Konzepte einerseits und ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen andererseits die Rede – Veränderungen also in der äußeren Realität. Dabei sind wir, frei nach Adorno7, in den „innersten Zellen“ linken identitätspolitischen Denkens „auf Gesellschaftliches“ – und Ökonomisches – gestoßen. Auf einen Kapitalismus der flexiblen Akkumulation, in dem es „keinen Raum für eine leitende oder breit vertretene Klasse“8 gibt. Die Berücksichtigung dieser, das Denken und Handeln vieler heutiger Linker beherrschenden, identitätspolitischen Konzepte wiederum hatte uns geholfen, zu verstehen, wie es kommt, dass Biskamp und viele andere Linke glauben, (kritisches) Reden über den Islam könnte die Positionen der Rassisten stärken: Wer ausgehend von kulturalistischen und identitätspolitischen Prämissen, Subjekte voll mit „ihrer“ Kultur oder ihrer (vermeintlichen oder tatsächlichen) Religion identifiziert, muss jede Kritik an der islamischen Glaubenslehre oder Glaubenspraxis als direkten Angriff auf eben diese Subjekte – und folglich als rassistisch empfinden. Und annehmen, dass solche Kritik die Positionen von FPÖ, AfD und Co. stärken könnte.

... versus Gesellschaft ohne Subjekte

Dass identitätspolitische und kulturalistische Konzepte heute die Gesamtheit gesellschaftlicher Diskurse zu dominieren scheinen – nicht bloß das Denken und Handeln vieler Linker – wurde angedeutet. An anderer Stelle9 habe ich Zusammenhänge zwischen diesen „Ideologien der Identifizierung“ und der aktuellen gesellschaftlichen Position des Subjekts im Kapitalismus zu analysieren versucht. Und gezeigt, dass heute im „postindustriellen Zeitalter“ – anders als im industriellen – die „persönliche Unabhängigkeit“ der Subjekte nicht mehr bloß „auf sachliche Abhängigkeit gründet“10, wie Marx einmal schrieb, sondern auch auf eine, von den Subjekten selbst begehrte seelische Abhängigkeit. Von hier aus hatte ich – zum einen – den narzisstischen und asketischen Charakter der neuen privaten Ideologien der Identifizierung (im Verhältnis der Subjekte zu ihrer Arbeit, ihrer Freizeit, ihrer Sexualität und zur Politik) nachgezeichnet, zum anderen den Zusammenhang zwischen privaten und kollektiven Ideologien der Identifizierung, auf welche sowohl der Diskurs der neuen Rassisten gründet als auch jener ihrer antirassistischen Gegner – mit seinen zentralen Begriffen „Islamophobie“ und „antimuslimischer Rassismus“.

Gerade hier, in der Analyse der aktuellen gesellschaftlichen Position der Subjekte im heutigen Kapitalismus – und deren Zusammenhang mit den neuen Islam-Diskursen – zeigt sich, dass die Subjektivität von, in den Worten Biskamps, „verkorksten Subjekten“ eine durch und durch gesellschaftliche ist. Und dass umgekehrt, eine Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse unter Ausblendung der Dimension des Subjektiven nicht gelingt.

Burma sagen – und Myanmar meinen

Biskamp behauptet, mein Text unterscheide zwischen „eigentlichem“ und „uneigentlichem“ Sprechen. Er schreibt:

„Maani zufolge reden die Rechten, die behaupten ‚Islamkritik’ zu üben, eigentlich gar nicht über den Islam, sondern über ‚Türken’ oder ‚Araber’. Sie benutzten das Wort ‚Islam’ lediglich als Chiffre, weil sie wüssten, dass offene Ablehnung gegenüber ethnischen Minderheiten sozial nicht akzeptiert sei. Dementsprechend gehe es ihnen auch nicht darum, repressive kulturelle Normen mit dem Ziel ihrer Auflösung zu kritisieren, sondern darum, ihre Ressentiments gegen Fremde auszudrücken. Der wahre Kern von Maanis Argument ist, dass tatsächlich eine Verschiebung rassistischer Diskurse stattgefunden hat. In rassistischen Diskursen über Kriminalität wird an Stellen, an denen vor 20 oder 30 Jahren noch von ‚Türken’ oder ‚Ausländern’ gesprochen worden wäre, heute von ‚Muslimen’ gesprochen. Jedoch frage ich mich: Warum sollte der eine Bezug nun wirklicher und eigentlicher sein als der andere? Ging es denn jemals wirklich und eigentlich um Ausländerinnen und Türkinnen? Haben sich Rassistinnen vor 50 Jahren wirklicher für Reisepass, Geburtsurkunde, Stammbaum oder Chromosomen interessiert, als sie sich heute für den Islam und Muslimischsein interessieren?“

Hier scheint ein gründliches Missverständnis vorzuliegen. Zunächst auf rein sprachlicher Ebene. Biskamp scheint den Satz „Wenn Peter A sagt, meint er B“, so zu verstehen, dass Peter, wenn er A sagt „irgendwo im Hinterkopf“, bewusst oder unbewusst, „eigentlich“ an B denkt. Das ist aber nur eine mögliche Bedeutung des Satzes „Wenn Peter A sagt, meint er B“. Nehmen wir an, A stünde für Myanmar – die neue Bezeichnung für Burma – und B für Burma, die alte Bezeichnung von Myanmar. Und nehmen wir weiters an, dass Peter gar nicht weiß, dass die Bezeichnung Myanmar seit 1989 die Bezeichnung für Burma ersetzt hat. Dann ist der Satz „Wenn Peter Burma sagt, meint er Myanmar“ genauso gültig und verständlich, als wenn Peter wüsste, dass Myanmar die korrekte Bezeichnung für Burma ist, es aber – aus welchen Gründen auch immer – vorzieht Burma statt Myanmar zu sagen.

Im Fall der neuen rassistischen Diskurse, muss also jemand der „Moslems“ sagt – auch wenn er selbst noch in den 1990er Jahren in einem ähnlichen  Zusammenhang „Türke“ oder „Araber“ gesagt hätte – gar nicht „eigentlich“ an die Türken denken. Nicht einmal „in den Tiefen seines Unbewussten“. Der Satz „Wenn Peter ‚Moslems’ sagt, meint er die Türken“ bedeutet hier bloß, dass Peter von jenem Kollektiv spricht, das er selbst – oder falls er selbst dafür zu jung sein sollte, andere – noch in den 1990er Jahren als „Türken“ bezeichnet hätte(n). Das „Meinen“ in diesem Sinn verweist also auf eine leicht nachprüfbare Verschiebung im öffentlichen Reden über ein real existierendes Kollektiv – nicht auf die Vermutung, was in Peters „psychischen Innenraum“ vorgehen oder nicht vorgehen mag.

Wann immer ich allerdings in Diskussionen der Zuschreibung „moslemisch“ begegne – in Zusammenhängen, in denen die in Rede stehende Personen oder Gesellschaften noch vor wenigen Jahrzehnten nicht als „moslemisch“ sondern z.B. als „iranisch“ bezeichnet worden wären – und diesen Zusammenhang auch anspreche und beschreibe, reagieren die Angesprochenen auf meine Beschreibung mit Zustimmung – und versuchen dann, ihre Zuschreibung zu begründen. Etwa damit, dass die letzten Jahre gezeigt hätten, dass sich „diese Menschen“ mit dem Islam identifizieren würden. Dass die Bezeichnung „Moslem“ die Bezeichnungen „Iraner“, „Türke“ etc. in zahlreichen Zusammenhängen ersetzt hat, scheint jenen, die von „Moslems“ statt etwa von „Türken“ sprechen, also häufig durchaus bewusst zu sein.

Für die Thesen, die im ersten Kapitel meines Essaybands entwickelt werden, ist es allerdings völlig unerheblich, ob jene Subjekte, die heute von „Moslems“ reden – in Zusammenhängen, in denen noch vor wenigen Jahrzehnten von Türken gesprochen worden wäre – dabei (bewusst oder unbewusst) an die Türken denken. Oder ob der Satz: „Rechte und Rechtsextreme Parteien [...] reden über den Islam und meinen [...] die Türken“11 bloß auf die Tatsache verweist, dass jene Kollektive, die damals als Türken, Araber oder Nordafrikaner bezeichnet worden wären, heute vielfach „Moslems“ genannt werden. Entscheidend ist vielmehr die Analyse der möglichen Ursachen dieser Verschiebung – nicht die Frage, was das konkrete einzelne Subjekt, das „Moslem“ sagt, „wirklich“ meint.

„Eigentlich“ und „uneigentlich“

Von diesem rein sprachlichen Aspekt seines Missverständnisses abgesehen, scheint Biskamp meinem Text Positionen zuzuschreiben, die verwundern.

„Demnach ist der rassistische Diskurs über ‚Türken’ und ‚Araber’ dem rassistischen Diskurs über ‚Islam’ und ‚Muslime’ zwar historisch vorgängig. [...] Er hat aber keine darüber hinausgehende Priorität im Sinne eines höheren Grades von Wirklichkeit oder Eigentlichkeit [...] (Oder liegt Maanis These die Vermutung zugrunde, dass ‚Türkischsein’ in irgendeinem Sinne eine wirklichere Identität ist als ‚Muslimischsein’? Warum sollte das so sein?)“

Es ist nicht notwendig, andere Texte12 von mir zu kennen, nicht einmal andere Kapitel jenes Essaybands, auf das Biskamp sich bezieht (wo etwa im dritten Kapitel das Reden über die „Kultur der Türken“ dekonstruiert wird), um zu wissen, dass Dekonstruktion von Identitäten und Identitätszuschreibungen jeder Art, gerade auch von nationalen, ein – wenn nicht das – Grundanliegen meiner theoretischen und literarischen Texte bildet.13 Die Lektüre der ersten Seite jenes Kapitels, das Biskamp kommentiert, würde genügen. Dort ist davon die Rede, dass Iraner den Islam meinen, wenn sie die Araber bashen. Für sich betrachtet, würde Biskamp diese Aussage wohl so verstehen, dass einer religiösen Identitätszuschreibung  („Islam“) aus meiner Sicht ein „höherer Grad an Eigentlichkeit“ zukommen würde als einer nationalen („Araber“). Das würde aber seiner oben zitierten Mutmaßung, für mich könnte die nationale Identität bzw. Identitätszuschreibung  („Türkischsein“) eine „wirklichere Identität“ darstellen als die religiöse („Muslimischsein“) widersprechen.

Richtig verstanden, geht es bei der Gegenüberstellung jenes iranischen  „Ersatz-Diskurses“ („Araber“ statt „Islam“)14 und seines europäischen Pendants unter umgekehrten Vorzeichen („Moslems“ statt „Türken“) selbstverständlich nicht um die Priorität einer Identität respektive Identitätszuschreibung über eine andere. Sondern um die Dekonstruktion aller Identitätskonstruktionen – nationaler, religiöser und anderer Art – durch das Aufzeigen ihrer grundsätzlichen, wenn auch nicht beliebigen, Austauschbarkeit.

wird fortgesetzt



1 Floris Biskamp, Misstraut Euch! Warum Sama Maani es der linken „Islamkritik“ zu einfach macht.


2 Sama Maani, Warum wir über den Islam nicht reden können. In: ders., Respektverweigerung: Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht, Klagenfurt 2015, S. 7

3 Indem hier das „Außen“ auf das Sprechen im gesellschaftlichen Kontext reduziert erscheint, vermittelt Biskamp (wie ich vermute unbeabsichtigt) den Eindruck, er würde jenem weit verbreiteten Konzept von Politik das Wort reden, das die komplexe Wechselbeziehung zwischen Sprache und Herrschaft ausblendet – und politisches Handeln auf die Reglementierung des Sprechens reduziert. Als würde Sprache nicht nur Bewusstsein sondern – unvermittelt – Realität erzeugen. Als gäbe es keine außersprachliche Realität, keinen stummen Zwang der – ökonomischen und politischen – Verhältnisse. Und als würden die Herrschenden, frei nach Johannes Agnoli, nicht herrschen, weil sie herrschen – sondern  weil sie sprechen.

Vergleiche hierzu meinen Text: Der Heiligenscheinorgasmus oder wie Identitätspolitik den Geist tötet 

https://derstandard.at/2000058117680/Der-Heiligenscheinorgasmus-Wie-Identitaetspolitik-den-Geist-toetet

4 Vgl. etwa: Theodor W. Adorno, Soziologische Schriften I. In: ders., Gesammelte Schriften, Bd 8, Frankfurt am Main. 2003, S. 88:

„Freud [...] ist paradoxerweise in den innersten psychologischen Zellen auf Gesellschaftliches [...] gestoßen“.

5 Vgl. Jacques Lacan, Seminar VII, S. 171

oder:

Jacques Alain Miller, Extimité. In: Marc Bracher u.a. (Hg.), Lacanian Theory of Discourse, New York 1994, S. 74 ff

6 dilemmatos bedeutet auf altgriechisch: „aus zwei Sätzen bestehend“.

7 Siehe Anmerkung 2

8 Sami Alkayial, Der Krieg in Syrien und die Krise linker Traditionen.


9 Siehe Sama Maani, Warum wir glauben und es nicht wissen, in: Patsy  L’Amour laLove (Hg.), Selbsthass & Emanzipation, Berlin 2016, S. 219

sowie die folgende Blogserie auf derStandard.at:

http://derstandard.at/2000055661573/Ist-Materialismus-boese

http://derstandard.at/2000056046127/Warum-Conchita-Wurst-nichts-mit-sexueller-Befreiung-zu-tun-hat

http://derstandard.at/2000056397418/Wie-sexuelle-Autonomie-die-Lust-toetet


http://derstandard.at/2000057195713/Warum-wir-anderen-etwas-vorspielen-sollten?_blogGroup=2


10 Marx, Karl/Engels, Friedrich: Werke, Bd. 42, Berlin 2005, S. 91

11 Sama Maani, Warum wir über den Islam nicht reden können. In: ders., Respektverweigerung: Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht, Klagenfurt 2015, S. 8

12 Etwa die folgende Blogserie über Identitätskonstruktionen auf derStandard.at:





13 So schrieb Vladimir Vertlib über meine Erzählung Der Heiligenscheinorgasmus, sie stelle „schonungslos Identitätszuschreibungen in Frage [...] Im Spiel mit Klischees, deren Doppelbödigkeit durch groteske Überzeichnung erst erkennbar wird, werden scheinbar die Abgründe der österreichischen, der Schweizer, aber auch der persischen Seele ausgelotet. Doch der aus Persien stammende Protagonist ist genauso ein 'typischer' Österreicher, der die Ressentiments seiner Schweizer Nachbarn auf sich zieht, wie er ein 'typischer' Zuwanderer oder 'typischer' Perser ist, also letztlich überall untypisch, und somit wieder sehr gewöhnlich für die heutige Zeit.

14 Hier sollten wir allerdings präzise sein. Die beiden Diskurse – der iranische antiarabische Diskurs und der aktuelle Islam-Diskurs der europäischen Rechten (und Konservativen und Grünen und Sozialdemokraten ...) – sind analog, aber nicht identisch: Meiner Erfahrung nach ist die Aussage „Wenn Iraner die Araber bashen, meinen sie den Islam“ häufig der oben erwähnten ersten Bedeutung der Aussage „Wenn Peter A sagt meint er B“ näher. Das heißt, dass Iraner, wenn sie „Araber“ sagen, tatsächlich häufig – wenn auch nicht immer – an den Islam denken. Wenn etwa systemkritische iranische Demonstranten in den letzten Tagen die Parole skandierten: „Wir sind Arier (Iran bedeutet ‚Land der Arier’) – wir beten keinen Araber an“, so ist dies eine offensichtliche und bewusste Anspielung auf den Islam. Ähnliches gilt für die Bezeichnung der islamischen Revolution des Jahres 1979 als „zweite arabische Invasion“. Im Falle des Diskurses der neuen Rassisten und anderer identitätspolitischer und kulturalistischer Islam-Diskurse in Europa scheint mir dies weniger eindeutig. Aber, wie gesagt: Die Gültigkeit oder Ungültigkeit der erwähnten ersten Bedeutung – ob also die Subjekte, wenn sie „Islam“ sagen, auch tatsächlich, bewusst oder unbewusst, an die Türken (Araber, Nordafrikaner) denken – ist für unseren Zusammenhang irrelevant.

wird fortgesetzt

Samstag, 16. Dezember 2017

Hat der Diskurs der Linken mit linken Positionen zu tun? Oder nur mit rechten?



Replik auf einen Kommentar Floris Biskamps zu einem Kapitel meines Buches „Respektverweigerung“ (1)


Mein Freund, der deutsch-indische Philosoph Pravu Mazumdar, war nach der Publikation seines ersten Buches über französische Gegenwartsphilosophie mit Reaktionen wie dieser konfrontiert:

„Sie kommen aus Indien? Welch wunderbare Kultur! Warum schreiben’s dann über französische Philosophie? Schreiben’s doch über Indien!“

Noch vor wenigen Jahrzehnten bedeutete Weltoffenheit gegenüber Fremden, dass man ihnen versicherte, sie seien unabhängig von ihrer Herkunft, „ihrer Kultur“ oder ihrer (tatsächlichen oder vermeintlichen) Religion in unserer Gesellschaft willkommen. Fremdenfeindliche Ressentiments hingegen waren stets mit der Betonung der Herkunft und der „Kultur“ des Angefeindeten verknüpft. Heute sitzt die Vorstellung, dass Fremde in erster Linie „ihre Kultur“ repräsentieren, oder zu repräsentieren haben – und dann lange nichts –, offenbar so tief, dass auch Weltoffene und Wohlmeinende nicht ohne ausdrückliche Betonung der „Kultur“ jener Fremden auszukommen scheinen. Diese „fremden Kulturen“ – und nicht die Individuen, die ihnen subsummiert werden – sollten wir, so die unausgesprochene Devise der neuen „Weltoffenheit“, respektieren.

Diesem kulturalistischen Diskurs ist offenbar auch der kürzlich publizierte Kommentar des Politologen Floris Biskamp zum ersten Kapitel meines Essaybands „Respektverweigerung: Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht“1 verpflichtet.2, den ich in diesem und den folgenden Blogbeiträgen meinerseits kommentierten möchte.  

Von kleinlichen Kämpfen und der „wahren Größe des Islam“

Biskamp behauptet zunächst, mein Text würde die Schwierigkeiten Linker und Liberaler3 beim Reden über den Islam als Ausdruck einer „innere[n] Blockade in [deren] Köpfen“ betrachten. „Diese unterwürfen sich selbst zu Unrecht einem Tabu in Bezug auf das Sprechen über Religion im Allgemeinen und den Islam im Besonderen.“ Biskamp selbst hingegen „sehe darin ein reales äußeres Dilemma: Wer unter den gegebenen Umständen das, was in islamischen Kontexten kritikwürdig ist, öffentlich kritisiert, läuft Gefahr, gewollt oder ungewollt zur Verbündeten von FPÖ, Stürzenberger und Co. zu werden. Wer dagegen FPÖ, Stürzenberger und Co. für ihre ‚islamkritische’ Positionen kritisiert [...], läuft Gefahr, die Kritik an dem, was in islamischen Kontexten wirklich kritikwürdig ist, zu unterminieren.“ „Alle, denen es um die Freiheit und Gleichheit aller geht“ fordert Biskamp auf, „dieses Dilemma ernst zu nehmen und die eigene Praxis vor diesem Hintergrund zu reflektieren.“ – wobei er meinem Text implizit vorwirft, eben dies nicht zu tun, jenes Dilemma nicht ernst zu nehmen und „die eigene Praxis“ nicht – oder zu wenig – zu reflektieren.

Biskamp suggeriert hier – zum einen –, dass der linke Diskurs über den Islam ausschließlich in Zusammenhang mit dem Diskurs der neuen Rechten existiert, so dass die Probleme der Linken beim Denken und beim Reden über den Islam lediglich im Kontext ihrer Konfrontation mit den Rassisten von FPÖ, AfD und Co. entstehen würden. Zum anderen fasst er „das Innere“, also das, was wir den „psychischen Innenraum“ nennen, und das „Äußere“, womit er offenbar das Sprechen in gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen meint, als unvermittelt nebeneinander existierende Realitätsfelder auf.

Beides ist nachweislich falsch.

Zunächst: Wenn zutreffen sollte, dass sich die Schwierigkeiten der Linken im Umgang mit dem Islam auf Schwierigkeiten im Umgang mit den neuen Rassisten beschränken, müsste uns das in Sorge versetzen. Sorge über den Zustand einer Linken, die den Rassisten die Diskurshoheit überlassen hat und deren eigener Beitrag zur aktuellen Debatte – einem Pawlowschen Hund gleich – lediglich aus Reflexen auf den Diskurs der Rechten besteht.
Allerdings hält die Behauptung, der linke Islam-Diskurs würde bloß auf den Islam-Diskurs der Rechten reagieren, schon einer oberflächlichen Überprüfung nicht stand. Was die erwähnte Sorge aber nicht zu zerstreuen vermag, sie im Gegenteil verstärkt.

Exemplarisch seien die Positionen einiger – untereinander durchaus unterschiedlicher – Vertreter des linken Spektrums erwähnt, die sich mit der islamischen Revolution im Iran im Besonderen und mit dem sogenannten politischen Islam im Allgemeinen solidarisch zeigten oder zeigen. Oder in der Islamischen Republik Iran einen strategischen Verbündeten sehen:

- Jener iranischen Linken etwa, die am 8. März 1979, wenige Wochen nach dem Sieg der islamischen Revolution, im Gleichklang mit den Schlägerbanden der „Partei Gottes“, zehntausenden iranischen Frauen, die gegen die drohende Einführung des Kopftuchzwangs demonstrierten, den Mund verbieten wollten. Mit dem Argument: Sie mögen, bitte, ihren kleinlichen Kampf gegen religiöse Bevormundung bleiben lassen, um das „große antiimperialistische Bündnis“ mit Khomeini, dem Führer der islamischen Revolution, von dem viele iranische Linke phantasierten, nicht zu gefährden.4

- Oder: Jener „Antiimperialisten“, die wann immer von Menschenrechtsverletzungen in der Islamischen Republik Iran die Rede ist, diese verharmlosen, relativieren oder verteidigen. Und den Iran, in dem ein brutaler, mafiös durchwachsener Kapitalismus herrscht, als „antikapitalistische Insel“ im kapitalistischen Weltsystem halluzinieren. 

- Oder: John Rose, der Nahostexperte der Socialist Worker Party, der größten Gruppierung der radikalen britischen Linken, der 2009, am Höhepunkt der Massenproteste im Iran, seine volle Unterstützung für die islamische Revolution bekundete.5

- Auch der linke Theoretiker Slavoj Zizek, an sich ein scharfsichtiger innerer Kritiker der Linken, scheint eine Schwäche für den sogenannten politischen Islam zu haben. So schreibt er etwa in seinem Buch „Auf verlorenem Posten“, er sei „versucht, zu behaupten“, dass der Islam „seine wahre Größe [...] aus seiner [potentiellen] politischen Anwendbarkeit“6 beziehe.

- Oder: Der verstorbene venezolanische Präsident Hugo Chavez, der dem Iran wörtlich seinen „bedingungslosen Beistand“ im Kampf gegen den Imperialismus zusicherte – und bis zu seinem Tod herzliche Beziehungen zu Irans Ex-Präsident Ahmadinejad pflegte.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Mit jenem Dilemma der Linken im Umgang mit dem Islamdiskurs von AfD, FPÖ und Co., von dem Biskamp spricht, dürften die Positionen von Chavez, Rose, Zizek oder der iranischen Linken eher nicht in Zusammenhang stehen.
Versuchen wir jedoch diese und andere linke Positionen „in Sachen Islam“ vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen seit den 1970er Jahren – und ihrer Wechselwirkung mit linkem Denken und Handeln – zu verstehen, könnte dieser unser Versuch – umgekehrt – ein Licht auf die Frage werfen, wie es denn kommt, dass viele Linke heute auf den neuen Rassismus von FPÖ und Co. so und nicht anders reagieren, dass sie sich also angesichts des Islamdiskurses der neuen Rassisten in jenes „äußere Dilemma“ versetzt fühlen, das Biskamp in Stellung bringt. Dass sie glauben, dass jedes kritische Reden über den Islam – oder überhaupt jedes Reden über den Islam – die Position der neuen Rassisten stärken könnte. Fragen, die Biskamp – hier jedenfalls – gar nicht stellt.

Identität statt Klasse

Über die ökonomischen und sozialen Hintergründe der Veränderung linken Bewusstseins und linker Praxis seit den 1970er Jahren schreibt der linke Theoretiker Sami Alkayial:

Mit dem Eintreten der kapitalistischen Gesellschaften in das postindustrielle Zeitalter ging die schwindende Bedeutung der Arbeiterklasse in der sozialen Produktion einher. Die Schließung der Fabriken und Minen in den Industriestädten Großbritanniens oder im deutschen Ruhrgebiet stellte das Ende einer Welt dar, der die traditionelle Linke angehörte. In einem Kapitalismus der ‚flexiblen Akkumulation’, [...] der sich auf kleinere Produktionsstätten bezieht und in dem der Dienstleistungssektor sowie die Produktion von Konsumgütern, Informationen und Kommunikationsmitteln eine viel größere Rolle spielen, gibt es keinen Raum mehr für eine leitende oder breit vertretene Klasse“7. Hinzuzufügen wären hier noch das „Strukturellwerden“ der Arbeitslosigkeit seit den 1970ern – nicht zuletzt in Zusammenhang mit der neuen Globalisierung, die ganze Industriezweige in Niedriglohnländer abwandern ließ.

Alles das führte zu einer existentiellen Krise im Denken und Handeln der Linken. Bis dahin war die Emanzipation der Arbeiterklasse im linken Bewusstsein eng mit jener der ganzen Gesellschaft verknüpft – also auch mit jener anderer unterdrückter Gruppen, etwa der Frauen oder der Afroamerikaner in den USA.8 Mit der „schwindende[n] Bedeutung der Arbeiterklasse in der sozialen Produktion“ begann sich nun die Verbindung zwischen den Anliegen jener unterdrückten Gruppen und den Forderungen der Arbeiterklasse im Denken und im Handeln progressiver Akteure aufzulösen. Und je mehr die Arbeiterklasse an „diskursivem Gewicht“ verlor, umso gewichtiger schienen die Anliegen jener marginalisierten Gruppen.
Mehr noch: Mit der Aufgabe des Konzepts einer leitenden Klasse verblasste nicht bloß die Idee der Emanzipation der Arbeiterklasse als „Schlüsselprojekt“ innerhalb des Gesamtprojekts der Emanzipation der Gesellschaft – sondern die Idee der Befreiung der (ganzen) Gesellschaft als solche.
Konzepte, welche die gesamte Gesellschaft und deren Emanzipation im Blick hatten, wurden ebenso wie klassentheoretische Ansätze und Begriffe durch Konzepte und Begriffe in Zusammenhang mit jenen marginalisierten Gruppen – namentlich der „Identität“ jener Gruppen – verdrängt. Es kam, mit Alkayial zu sprechen, zu einem Austausch von „Klassenkonzepten durch identitär geprägte Profile [Hervorhebung von mir]“9. Das war die Geburtsstunde der Identitätspolitik.10

Regressiv oder Progressiv?

Aber halt. Erinnern uns Begriffe wie „identiär“ und „Identität“ – man denke bloß an die „Identitären“ – nicht eher an den rechten Diskurs? Tatsächlich werden immer wieder Stimmen laut zuletzt etwa in Zusammenhang mit dem Erfolg der AfD in der deutschen Bundestagswahl 2017 – die meinen, die neue Rechte verwende linke identitätspolitische Zutaten, um daraus ihr eigenes identitätspolitisches Süppchen zu kochen.11

Wie dem auch sei. Parallelen zwischen „progressiven“ identitätspolitischen und regressiven „ethnopluralistischen“ Ansätzen fallen jedenfalls immer wieder ins Auge – Stichwort: „cultural apppropriation“, genauer: die Kritik an dieser.

„Der Studierendenrat der University of Ottawa entschied im ­November [2015] einen kostenlosen Kurs auszusetzen, den eine Yoga-Lehrerin zuvor über mehrere Jahre angeboten hatte. Grund: Die Kultur, von der Yoga ‚übernommen’ wurde, hätte in der Vergangenheit Imperialismus und westliche Beherrschung erlitten. Die Universität müsse daher Sensibilität beweisen, argumentierten Studentenvertreter“.12

In einem von Norbert Hofer – dem Kandidaten der rechtsextremen FPÖ für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten im Jahre 2016 – herausgegebenen Buch „Für ein freies Österreich“ heißt es über Yoga:

„Yoga: ... wo das Fremde [...] beginnt, das Eigene zu verdrängen [...] ist der Bestand dieser Kultur akut gefährdet; die zwanghafte Suche nach exotischen Reizen, bei gleichzeitiger Diskreditierung des bewährten, gewohnten Eigenen, ist ein weiteres Indiz der Selbstaufgabe“.13

Während in unserem Beispiel – eines von zahlreichen möglichen – die Mitglieder des Studierendenrates der Universität Ottawa, die sich selbst wohl eher dem progressiven linken Spektrum zuordnen würden als dem regressiven rechten, einen Yogakurs aussetzen, um die „indische Kultur“ zu beschützen, will der rechtsextreme Autor Michael Howanietz Yoga zurückdängen, um die „österreichische Kultur“ zu beschützen. Interessieren soll uns aber nicht, dass beide, die progressiven Studierenden in Kanada und der rechtsextreme Autor in Österreich, gegen Yoga vom Leder ziehen – sondern der identitätspolitische Kulturalismus, der sie verbindet. Ein Kulturalismus, in dem Gesellschaft durch unauflösliche Differenzen kollektiver „kultureller Identitäten“ – hier der indischen und der österreichischen – geprägt zu sein scheint, in dem Widersprüche zwischen verschiedenen sozialen Klassen ein und derselben „Kultur“ oder zwischen Individuen und „ihrer“ Kultur keinen Platz haben – und in dem Subjekte so sehr mit „ihrer“ Kultur identifiziert werden, dass sie als Subjekte im Diskurs zu existieren aufhören.

Islam als Natureigenschaft

Identitätspolitisches Denken dieser Art, das heute nicht bloß den linken und den neuen rechten, sondern die Gesamtheit gesellschaftlicher, politischer und kultureller Diskurse zu beherrschen scheint, zeigt sich auch und gerade in der Rolle, die in aktuellen Debatten dem Islam zukommt.

Dass Menschen aus Ländern oder Regionen wie der Türkei, dem arabischen Raum oder Nordafrika in allererster Linie als Muslime wahrgenommen werden - mehr noch: als Repräsentanten des Islam, respektive der „islamischen Kultur“, ist ein relativ neues Phänomen. Ältere linke Freunde von mir, die sich während des algerischen Unabhängigkeitskrieges 1954 bis 1962 mit der algerischen Befreiungsbewegung solidarisierten, berichten etwa, dass ihnen die Tatsache, dass die Mehrheit der Algerier bekennende Muslime waren, damals mehr als irrelevant erschien. Noch in den 1990er Jahren behauptete – um ein anderes Beispiel zu nennen – der Diskurs der Rassisten in Deutschland und in Österreich, die Türken würden „uns“ deshalb Probleme bereiten, weil sie eben Türken seien. Seit dem Erstarken des sogenannten politischen Islam, vor allem seit den Anschlägen von Nine Eleven behaupten die Vertreter des neuen rassistischen Diskurses, die Türken (die Araber, die Nordafrikaner ...) würden „uns“ Probleme bereiten – weil sie Muslime seien. Der Islam gilt diesem Diskurs nicht mehr bloß als Glaubensbekenntnis, zu dem sich jemand bekennen mag oder auch nicht, sondern als eine Art Natureigenschaft von Türken, Arabern oder Iranern – mit welcher diese „voll identifiziert“ werden.

Paradoxerweise bleiben aber auch die – wohlwollenden und weltoffenen – linken und liberalen Gegner des neuen Rassismus, statt die falsche, weil fixe Verknüpfung zwischen einem Glaubensbekenntnis und bestimmten Gesellschaften oder Individuen zu benennen und zu dekonstruieren, bei den Identitätsvorgaben der Rassisten: Wer nicht müde wird, „Islamophobie“ oder „Islamfeindschaft“ als rassistisch zu bezeichnen (oder den neuen Rassismus als „antimuslimisch“ zu etikettieren), erklärt den Islam, ohne es zu bemerken, zu einer „rassischen“, quasi genetischen Eigenschaft von Arabern, Türken oder Iranern. Und reproduziert, statt sie zu bekämpfen, die rassistische Ideologie der „vollen Identität“ zwischen bestimmten Individuen und der imaginären Kategorie Islam – imaginär, weil es sich hier um Glaubensvorstellungen handelt.

An dieser Stelle würde Biskamp einwenden – und diesem Einwand bin ich auch in anderen Diskussionen oft begegnet –, dass sich die Rede von „Islamophobie“ oder von „antimuslimischem Rassismus“ auf den Diskurs der neuen Rassisten bezöge. Dass also das Wortteil „Islam“ in Islamophobie und das Wortteil „muslimisch“ in „antimuslimisch“ nicht auf eine real existierende Gruppe sondern eben auf die Rede der Rassisten verwiesen. Nehmen wir an, es wäre so. Dann wäre es dennoch falsch, beim Reden über den neuen rassistischen Diskurs stets bei den Identitätsvorgaben der Rassisten zu bleiben – statt ihre identitären Begriffe zu dekonstruieren.

Wir würden allerdings einem gründlichen Missverständnis aufsitzen, wenn wir Begriffe wie „Islamophobie“, „antimuslimischer Rassismus“ oder „Islamfeindschaft“ ausschließlich – oder auch nur in erster Linie – vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen linker Antirassisten mit den neuen Rassisten verorteten. Und dabei den Zusammenhang zwischen „Islamophobie“, „antimuslimischer Rassismus“ etc. und jenen kulturalistischen und identitätspolitischen Prämissen übersehen, die den linken Diskurs – abseits und unabhängig von Debatten mit FPÖ, AfD und Co. – seit Jahren dominieren.

Die erste Kaisermühlnerin in der Bundesregierung

Dass die auf identitätspolitisches Denken gründende volle Identifizierung von Gesellschaften und Subjekten mit dem Islam keineswegs auf einen Abwehrreflex gegen den Diskurs der neuen Rassisten reduziert werden kann, wie Biskamp suggeriert, ließe sich an zahllosen Beispielen zeigen.

- An Muna Duzdar etwa – Staatssekretärin in der österreichischen Bundesregierung mit palästinensischem „Migrationshintergrund“ und laut Selbstdefinition „nicht praktizierende Muslima“. Muna Duzdar wird regelmäßig – auch in linksliberalen Qualitätsmedien wie dem STANDARD – auf ihr tatsächliches oder vermeintliches „Muslimsein“ reduziert und mit diesem ihrem tatsächlichen oder vermeintlichen „Muslimsein“ voll identifiziert.

„STANDARD: Sie sind das erste Regierungsmitglied mit muslimischem Glauben [..].“

Duzdar: Es ist richtig, dass ich einen muslimischen Background habe, aber warum muss ich darüber definiert werden? Ich bin nicht deswegen Staatssekretärin. Genauso [...] bin ich auch die erste Kaisermühlnerin14 in der Bundesregierung. Beides ist bemerkenswert, aber es ist nicht die Hauptsache“.15

Als Staatssekretärin ist Duzdar u.a. für Beamte und für Digitalisierung zuständig – das scheint aber kaum jemanden zu interessieren, auch den linksliberalen STANDARD nicht. In Berichten über sie oder in Interviews mit ihr geht es denn auch fast ausschließlich um den Islam – oder genauer: um Integration, Migration, Terror. Als tatsächliche oder vermeintliche, aus „dem Orient“ stammende Muslima, repräsentiert Duzdar in allererster Linie den Islam, und dann lange nichts. Das ist – auch von Liberalen und Linken kultivierter – Kulturalismus in Reinkultur, der mit jenem „äußeren Dilemma“, das Biskamp in Stellung bringt, in keinem Zusammenhang steht.

- Oder: Das Buch „Der Islam braucht eine sexuelle Revolution“16 der mutigen deutsch-türkischen Feministin Seyran Ates – auch sie würde sich wohl eher dem linken bzw. linksliberalen Spektrum zuordnen. Ein Buch, das der Sehnsucht vieler junger Menschen in islamisch geprägten Gesellschaften nach all dem, was sie mit dem Begriff „sexuelle Revolution“ in Verbindung bringen, eine Stimme verleiht. „Der Islam braucht eine sexuelle Revolution“ beruft sich auf das Werk „Die sexuelle Revolution“ des Freud-Schülers und Psychoanalyse-Kritikers Wilhelm Reich. Für Reich und für Freud lagen die Ursachen für das von ihnen kritisierte sexuelle Elend in gesellschaftlich bedingten psychischen Faktoren. Der Religion schrieben sie in diesem Zusammenhang die Rolle eines gewichtigen krankmachenden Faktors zu. Weit davon entfernt diesen Faktor reformieren oder „revolutionieren“ zu wollen, lehnten sie Religion in jeder Form ab. Der Gedanke an eine sexuelle Revolution „im Christentum“ wäre ihnen mehr als absurd vorgekommen. Wenn nun Ates – im Unterschied zu Reich und zu Freud – nicht für eine sexuelle Revolution in Gesellschaften mit islamischer Bevölkerungsmehrheit plädiert, sondern ausdrücklich für eine Revolution im Islam, verneint sie implizit die Möglichkeit, dass in jenen Gesellschaften außerhalb der Sphäre des Islam so etwas wie „Gesellschaft“ überhaupt existiert. Zwischen Gesellschaften mit islamischer Bevölkerungsmehrheit und dem Islam besteht für Ates offenbar volle Identität. Als existierte „dort“ nichts außerhalb der Sphäre des Islam – nicht einmal auf begrifflicher Ebene. Und: Auch Ates bezieht diese ihre Position wohl eher nicht in Reaktion auf den Diskurs von Rassisten der Marke FPÖ, AfD etc.

Der Logik der vollen Identifizierung von islamisch geprägten Gesellschaften mit dem Islam, die uns hier begegnet, entspricht übrigens auch jener - nicht nur - in linken und liberalen Debatten des Westens weit verbreitete unausgesprochene Ansatz, islamisch geprägte Gesellschaften könnten einzig und allein über eine Erneuerung des Islam den Weg zu einer modernen, demokratischen Gesellschaft finden. Und nicht etwa durch eine Säkularisierung jener Gesellschaften, die der Religion von außen den Platz zuweist, der ihr in einer modernen, säkularen Demokratie zukommen sollte.

Laizismus als Unterabteilung des Islam

Um diese Beispielreihe – die sich beliebig fortsetzen ließe – abzuschließen: Ich war unlängst Gast bei einem linken Lesezirkel in einer österreichischen Provinzstadt. Als die Runde auf das Thema „verschiedene Varianten des Islam“ zu sprechen kam, führte ein Teilnehmer als Beleg für die Existenz eben dieses Variantenreichtums im Islam wörtlich „die laizistische Türkei“ an. Die türkische Gesellschaft, respektive der türkische Staat stellt für jenen Diskussionsteilnehmer also offenbar eine Unterabteilung des Islam dar – auch wenn er sie selbst (zu Recht oder zu Unrecht – Stichwort: Erdogan) als laizistisch bezeichnet (als laizistisch gelten auf die strenge Trennung von Staat und Religion gründende Staatsmodelle).
Nun könnte man einwenden, dass unser linker Diskussionsteilnehmer das Thema „Variantenreichtum im Islam“ – also die Formel „Den Islam gibt es nicht“ – in Reaktion auf den Diskurs der neuen Rassisten in Stellung gebracht habe, so dass wir einen Zusammenhang zu dem von Biskamp geschilderten Dilemma herstellen könnten. Dass unser Diskutant aber gar nicht mehr vom Islam redet, sondern die türkische Gesellschaft mit dem Islam identifiziert, ist aus jenem Dilemma allerdings nicht abzuleiten.

Auch hier zeigt sich, dass die für den Islam-Diskurs der Linken (der Liberalen, der Rechten, der Grünen, der Konservativen ...) typische kulturalistische Ideologie der vollen Identifizierung keineswegs aus jenem von Biskamp geschilderten „äußeren Dilemma“ resultiert.
Umgekehrt könnte uns aber die Analyse linker identitätspolitischer Positionen zu verstehen helfen, wie es kommt, dass viele Linke glauben, ihr (kritisches) Reden über den Islam könnte die Position der Rassisten stärken: Wer, wie jener Diskurssteilnehmer, ganze Gesellschaften mit islamischer Bevölkerungsmehrheit – d.h. alle vermeintlichen oder auch tatsächlichen Muslime aus jenen Ländern und Regionen – voll mit dem Islam identifiziert, geht ja unausgesprochen davon aus, dass Menschen mit ihrer (vermeintlichen oder tatsächlichen) Religion „vollkommen eins“ sind. Dass der Islam also nicht bloß ein Glaubensbekenntnis darstellt, sondern das „Sein“ dieser Subjekte ausmacht. Dann allerdings ist es nur konsequent, Kritik an der islamischen Glaubenslehre oder Glaubenspraxis – oder gar deren Ablehnung – als rassistisch zu empfinden. Und anzunehmen, sie könnte die FPÖ, AfD und Co. im politischen Kampf stärken.

Hier könnte allerdings ein fatales Missverständnis vorliegen. Die Grüne Akademie eines österreichischen Bundeslandes hatte mich eingeladen, einen Vortrag unter dem Titel „Warum wir über den Islam nicht reden können“ zu halten. Der Vortrag fand drei Tage nach den österreichischen Parlamentswahlen am 15. Oktober 2017 statt. Wie mir berichtet wurde, hatte es ein Vertreter der Grünen Landesparteileitung der Grünen Akademie untersagt, die Veranstaltung vor dem Wahlsonntag zu bewerben. Es wurden keine Plakate gedruckt, vor dem Wahlsonntag fehlte auch im Internet jeder Hinweis auf die Veranstaltung. Der Vertreter der Landesparteileitung, der über den Inhalt des Vortrags nichts wusste, hatte einfach nur Angst, dass die Öffentlichkeit unmittelbar vor den Wahlen die Grünen mit dem Begriff „Islam“ in Verbindung bringen könnte.

Politische Beobachter gehen davon aus, dass die Angst der Grünen, am Thema „Islam“ auch nur anzustreifen – der Begriff Tabu-Angst drängt sich hier unabweislich auf –, nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, dass sie heute nicht mehr im österreichischen Parlament vertreten sind.17

In den folgenden Beiträgen wird es unter anderem um die These gehen, dass im Diskurs der neuen Rassisten das Reden über den „Islam“ das Reden über „die Türken“ ersetzt hat – eine These, die Biskamp gründlich missversteht. Und darum, dass er jene Phänomene, die er im Blick hat, wenn er von „antimuslimischem Rassismus“ spricht, zwar zu Recht rassistisch nennt. Dass er aber von dieser spezifischen Form des Rassismus keinen Begriff hat, weil er (hier jedenfalls) die Frage, inwiefern es sich bei den Positionen von FPÖ. AfD und Co. „in Sachen Islam “ um Rassismus handelt – und nicht etwa um religiösen Hass oder um Religionskritik – gar nicht stellt.

wird fortgesetzt



 1 Sama Maani,  Warum wir über den Islam nicht reden können. In: ders., Respektverweigerung: Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht, Klagenfurt 2015, S. 7

2 Floris Biskamp, Misstraut Euch! Warum Sama Maani es der linken „Islamkritik“ zu einfach macht.


3 Biskamp bezieht sich auf den linken und den liberalen Diskurs – mein Fokus liegt im folgenden, nicht zuletzt aus Platzgründen, vor allem auf dem Denken und Reden der Linken über den Islam.

4 Die hier beschriebene Position vieler iranischer Linker erinnert an die
alte, in linken Debatten immer wieder reproduzierte Rede vom „Hauptwiderspruch“ – i.e. der Klassengesellschaft (wobei der Kampf gegen den „Imperialismus“ in den Debatten jener Tage den Klassenkampf in den Hintergrund gedrängt haben mag) – und vom „Nebenwiderspruch“, etwa der Frauenunterdrückung. Tatsächlich mischten sich im Diskurs jener Linken, die vom „antiimperialistischen Bündnis“ mit Khomeini träumten, klassische linke Positionen mit neuen islamisch-identitätspolitischen. Besonders augenscheinlich zeigte sich dies in der Ideologie der Volksmujahedin, die sich als „islamische Marxisten“ verstanden, aber auch in den Positionen der moskautreuen Tudehpartei. Beide Gruppen wurden in weiterer Folge von den neuen islamischen Machthabern kaltgestellt.

5 Eric Lee, Marx steht auf dem Kopf, Jungle World, 27. August 2009

6 Slavoj Zizek, Auf verlorenem Posten, Frankfurt am Main 2008, S. 87 f

7 Sami Alkayial, Der Krieg in Syrien und die Krise linker Traditionen.


8 Um Missverständnisse zu vermeiden: Die „alten“ Positionen der Klassentheorie sollen hier keineswegs idealisiert werden. Auch an ihnen gäbe es einiges zu kritisieren. Darum geht es hier aber nicht.

9 Sami Alkayial, Der Krieg in Syrien und die Krise linker Traditionen.


10 Vgl. Sama Maani, „Obama ist nicht schwarz“: Die Krux mit der Identitätspolitik. Der Standard, 27. Februar 2017 



12 Marcus Latton, Jedem Stamm seine Bräuche, Jungle World, 1. September 2016 


13 https://www.fischundfleisch.com/gabriele-szekatsch/die-welt-des-norbert-hofer-und-wie-er-oesterreich-so-in-ordnung-saehe-28163

14 Kaisermühlen ist ein Stadtteil Wiens im 22. Wiener Gemeindebezirk.


16 Seyran Ates, Der Islam braucht eine sexuelle Revolution, Berlin 2009

17 Es ist selbstverständlich nicht ausgemacht, dass eine „richtige“ Positionierung in diesen und anderen Fragen den Grünen in jedem Fall mehr Stimmen gebracht hätte.