Dienstag, 29. September 2015

Zizek in Teheran (104)



Schoma ro. Mikhan. Terror konan.

Sagt Kiu. Gänzlich. Unverblümt. Und für Teheran. Genau. LeserIn. Ganz. Untypisch.

Die. Wollen sie. Töten.

Ist aber. Nicht. Korrekt. Übersetzt. LeserIn.

Sie wollen sie. Terroristisch töten.

Müßte es. Heißen.

Die. Sind natürlich. Handlanger. Des Geheimdienstes. Von Tel Aviv.

Dem Dicken. Ansari. LeserIn. Fällt. Das Gesicht. Wie die Grazer sagen würden. Herunter.

Man ke ...

Ich ...? Bin doch ... Nichts.

Stimmt.

Sagt Kiu. Für Teheran. Wiederum. Ganz untypisch. Als Teheraner hätte er. Zumindest. Sagen müssen.

Nein. Nein. Sie sind nicht. Nichts. Sie sind. Natürlich. Sehr wichtig. Für uns. Allerdings entsprechen Sie nicht. Dem üblichen. Opferprofil.

Ansari ist nämlich. Im Unterschied zu den bisherigen Opfern. Der Terroristen. Respektive des Geheimdienstes. Von Tel Aviv. Kein Atomwissenschaftler. Oder er ist. Atomwissenschaftler. Aber als solcher. Eher. Unwichtig. Genau. Erinnere ich mich jetzt nicht. An die. Fernsehserie. Die ich. Aus Gründen, die ich später. Offenbaren werde. Gerade. Schildere.

Ansari. Hat mehrere. Auszeichnungen Erhalten. Weil er bei. Internationalen. Konferenzen. In Zusammenhang. Mit der Atomenergie. Übersetzt hat. Er ist. Polyglott. Abgesehen. Von der Sprache Teherans. Spricht er. Französisch. Arabisch. Englisch. Italienisch.

Ansaris Frau. Ist Supervisorin. In einem Krankenhaus. Was immer das heißt. In Teheran. Gibt es viel. Amerikanisches. Das einem. Grazer. Wie meiner. Einer. Ganz fremd ist. Einem

Eingefleischten.

Zumindest.

1962. Als der Grazer. Teheranist. Gert Klagner. Erstmals. Als Teheranistikstudent. Erstmals. Teheran betrat. Wähnte er sich. In den. Vereinigten Staaten.

Ich hatte gedacht. Supervisorin. In einem Krankenhaus. Sei eher. Etwas. Administratives. Aber als der. Fertige. Dicke. Ansari. Nachdem die Agenten. Ihm mitgeteilt haben. Daß er das Ziel. Eines Anschlags. Der Terroristen sein wird. Zuhause. Einlangt. Mißt sie ihm. Kühl. Und äußerst professionell. Den Blutdruck. Um festzustellen. Daß dieser. Normal sei.

Der Kiu. Respektive der Biedere. Chef. Des Sicheheitsdiensts. Der TAEB. Nennen wir ihn Bahrami. Haben dem Ansari nicht nur mitgeteilt. Daß er das Ziel. Eines Anschlags. Der Terroristen sein würde. Sondern daß er. Dem Geheimdienst. Des Teheraner Regimes. Als Köder. Zur Verfügung. Zu stehen. Habe.

Ob er wolle oder nicht.

wird fortgesetzt

Samstag, 26. September 2015

Zizek in Teheran (103)



Ehsan Ansari. Jener Mitarbeiter. Der Teheraner. Atomenergiebehörde. Auf den. Jener Anschlag. Verübt werden soll. Ist ein Dicker. Solche. Dicke. Teheraner. Sind selten.

Dicke.
Teheraner
In der
Antike.
Waren.
Ebenfalls selten.

Dennoch kommt.
In einer Folge.
Jener Fernsehserie.
Die ich gerade.
Schildere.
Aus Gründen.
Die ich später.
Offenbaren.
Werde.

Ein Mädchen vor.

Ein Gymnasial-Mädchen. In Athen. Das einem. Aus Teheran. Gebürtigen. Nach Athen. Emigrierten. Klassen-. -Kollegen. Offenbart. Daß sie stets. Der Auffassung gewesen sei. Daß die Teheraner. Der Antike. Die. Das antike. Griechenland. Überfallen. Haben. Die berühmten. Teheranerkriege. LeserIn. Und zerstören. Wollten. Daß diese. Antiken. Teheraner also. Allesamt. Dicke. Gewesen. Seien. Und folglich. Auch die Teheraner. Von heute. Dieser Auffassung. Sei sie. Gewesen Bis jetzt. Der Junge. Aus Teheran. Ist Schlank. Sie. Lieben sich.

Der dicke. Mitarbeiter. Der Teheraner. Atom-. -Energie-. -Behörde. Sitzt. Jenem Teheraner. Den wir schon kennen. Von jenem. Lokal. In Athen. Respektive. Von jenem Treffen. Mit dem. Informanten. Stephanos. Dem Mann. Von Clara. Neben dem Teheraner. Den wir schon kennen. Nennen wir ihn. Kiumars. Und kürzen wir ihn. Ab. Kiu. Der. Mit dem runden Gesicht. Der. Einen athletischen. Körper hat. Wenn auch. An der Grenze. Zu dick. Sitzt ein weiterer. Teheraner. Mit Brille. Alles andere. Als athletisch. Sehr. Im Gegensatz. Zu Kiu. Sehr. Bieder. Schaut aus. Wie ein Teheraner. Trafikant. Schreibwarenhändler. Oder Inhaber. Einer Teheraner. Änderungsschneiderei. Dieser. Biedere. Ist der Sicherheits-. –Chef. Der Teheraner. Atomenergiebehörde. TAEB.

Der Biedere. Und Kiu. Mustern. Den Dicken. Ansari. Eindringlich. Beinahe böse. Als sei er. Angeklagt.

Schoma ro -

Sagt der Kiu. Gänzlich. Unverblümt. Und für Teheran. Genau. LeserIn. Gänzlich. Untypisch.

Schoma ro. Mikhan. Terror konan.

Die. Wollen sie. Töten.

Ist aber. Nicht. Korrekt. Übersetzt. LeserIn.

Sie wollen sie. Terroristisch töten.

Müßte es. Heißen.

Die. Sind natürlich. In Teheran. Angeworbene. Handlanger. Des Geheimdienstes. Von Tel Aviv.

wird fortgesetzt

Mittwoch, 23. September 2015

Zizek in Teheran (102)



Die Kellnerin ist außer Dienst. Und hat Angst. Es regnet. In Teheran. Und in Athen.

Stephanos. Ihr Mann. Hat gekocht. Sie stellt ihn zur Rede.

Was will der Teheraner von Dir?

Sie sitzen. Auf dem Ehebett. Angezogen. Stephanos. Ihr Mann. Weicht aus.

Keine Sorge. Ich. Muß niemanden töten.

Ich. Habe Angst.

Sagt Clara. Die Kellnerin.

Für das Geld, das uns der Teheraner geben wird. Kaufen wir eine Wohnung. Deine kranke. Mutter. Kann bei uns wohnen. Oder wir wandern aus.

Wohin. Sagt er nicht.

Stephanos trifft den Teheraner. In den Gängen. Einer U-Bahnstation. Er. Der Teheraner. Ist natürlich. Geheimpolizist. Stephanos. Natürlich. Sein Informant. Der Informant. Informiert. Den Teheraner. Daß sie. Auf einen Mitarbeiter. Der Teheraner Atombehörde. Einen Anschlag planen.  

Auf Ehsan. Ansari.

Sag es noch einmal.

Ehsan. Ansari.

In der Sprache Teherans. Müßte man die dritte. Silbe. Von Ansari. Betonen. Ansarí. Wohingegen. Der Grieche. Stephanos. Die erste Silbe betont.

Ánsari.

Sie planen. Einen Anschlag. Auf Ánsari. Sagt der Grieche.

Sie. Ist der Geheimdienst. In Tel Aviv.

wird fortgesetzt

Freitag, 18. September 2015

Zizek in Teheran (101)



Wie. LeserIn. Würdest Du. Eine Fernsehserie in einen Roman einführen?

Warum. Eine Fernsehserie in einen Roman einführen? Respektive wozu. In diesen Roman? 

Wirst schon sehen.

Würdest Du ... einfach ... das Drehbuch. In den Roman einfügen? Wie der Kundera. Sagt. Daß der Broch. Den letzten Teil. Der Schlafwandlertrilogie. Aus fünf Elementen. Komponiert hat? Aus fünf. Mit Absicht heterogenen. Strängen?

1. Aus der Romanhandlung. Die auf den drei. Hauptfiguren. Der Trilogie beruht. Pasenow. Esch. Hugenau.
2. Aus der intimistischen. Weißt Du. Was das heißen soll? Aus der. Intimistischen. Novelle. Über Hanna Wendling.
3. Aus der Reportage. Über ein Militärkrankenhaus.
4. Aus der poetischen. Erzählung. Zum Teil. In Versen. Über ein junges. Heilsarmeemädchen.
5. Aus dem. In wissenschaftlicher Sprache. Abgefaßten. Philosophischen Essay. Über den Zerfall. Der Werte.

(Milan Kundera. Die Kunst des Romans, Frankfurt a.M., 1989, S. 83)

Jeder. Dieser fünf Stränge. Ist als solcher. Glänzend. Insdessen bilden sie. Obwohl sie. Simulatn. In fortwährendem Wechsel. Behandelt werden. Das heißt in deutlich. Polyphonischer Absicht. Kein. Unteilbares Ganzes. Die Polyphonische Absicht. Bleibt unvollbracht.

(Milan Kundera. Die Kunst des Romans, Frankfurt a.M., 1989, S. 83)

Es wäre. Vermutlich gut. Den Broch. Gelesen zu haben. Aber wem. LeserIn. Passiert das schon? Wenn Dir. Dann alle Achtung.

Statt das Drehbuch. Der Fernsehserie. In den Roman einzufügen. Werde ich sie. Aus der Sicht des Zuschauers schildern.

Mißratene Träume. Eine Fernsehserie, die in Teheran. Tel Aviv. Und Athen spielt.

Eine Mischung. Aus Agententhriller. Und Melodram. Das. Im Unterschied zur Tragödie. Bekanntlich. Glücklich enden kann.

Das gemeinsame Entsetzen. Über die Allgegenwart. Von Gewalt. Betrug. Und Korruption. Die im Melodram. Zelebriert wird. Einigt sein Publikum. In einer Zeit. Des gesellschaftlichen Umbruchs. Trug es. Zu einer neuen. Ordnung bei. In der Gesetz. Und Polizei. Nicht. Als Mittel zur Unterdrückung durch die Obrigkeit. Sondern als etwas. Gemeinnütziges. Gelten. Sollten. Arbeitseifer. Mut. Und Redlichkeit. Als Ideale einer bürgerlichen. Ethik. Wurden fortan. Ins Zentrum gestellt. So entwickelte sich. Das Meoldram. Zu einer Kulturform des Bürgertums. In der die Adeligen. Und der Klerus. Aber auch. Das Proletariat. Kritisiert wurden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Melodram_(Theater)

Die erste Folge spielt im Herbst. In Athen. Und es regnet. Regnen in Athen. Das kannst Du Dir nicht vorstellen. Ich weiß. Ein Mann im Fond eines Autos. Neben ihm eine Frau. So häßlich, daß es lächerlich ist. Der Mann ist schwer verletzt. Offensichtlich mißhandelt. Von der Frau. Und der Organisation, der diese angehört. Vorne sitzen zwei Männer. Typus Bodyguard. Das Auto parkt am Waldrand. Es regnet. Der Mißhandelte wird aus dem Auto gezerrt. In den Wald geschleppt. An einen Baum gelehnt. Er keucht.

Ich will Dich nicht töten.

Sagt die Lächerlich-Häßliche. Brille. Kurze, ungepflegte, rotbraune Haare.

Wirst Du - kooperieren?

Die erste Folge der Fernsehserie, die ich, aus Gründen die ich später bekannt geben werde, schildere, beginnt mit einem Mord.

Die Lächerlich-Häßliche, fast hätte ich Kitschig-Häßliche gesagt, und der - mittlerweile - Tote haben Griechisch gesprochen. Mit Untertiteln in der Sprache Teherans.

Im gelben Licht der düsteren Kneipe - erinnert eher an eine Spelunke in Eriwan als an eine Kneipe in Athen - verfolgt die Kamera die Bewegung der Kellnerin. Brünett mit den markanten Zügen einer Athenerin. Helle Gesichtshaut. Um nicht leuchtend zu sagen.

Die Kellnerin pendelt. Zwischen Tischen und Theke. Der Chef ist grantig und dick. Gesamteindruck: Unendlich trostlos.

Einer – es wird sich herausstellen, daß es ist ihr Mann ist - ruft an. Kaum, daß die Brünette angefangen hat, ins Handy zu sprechen, herrscht sie der dicke, Grantige an.

Die Brünette legt auf. Sie ist offensichtlich besorgt. Nicht wegen des Dicken. Sondern, wie es sich herausstellt, wegen eines Teheraners. Der kurze Zeit später die Szene betritt. Modisch gekleidet. Krawatte. Trauriges, Teheraner Gesicht. Runde, fast wulstige Lippen. Weißhaarig. Und –bärtig. Aber maximal Mitte vierzig. Alles ist rund an diesem Gesicht. Auch die Augen. Dunkelbraun. Ausgewogen und rund. Um zu gefallen. Und Mitleid zu erregen.

Der Teheraner hat was. Nicht mit der Brünetten. Aber mit ihrem Mann. Einem Stephanos.

- Espresso.

Sagt der Teheraner, an dem alles ausgewogen und rund ist. Auf Griechisch.

- Mit Zucker? Fragt die Kellnerin. Oder ohne?

- Ohne.

Sagt der Teheraner. Und schaut bedeutungsschwer. In die Kamera. Die Brünette erbleicht. Sonst hat er den Espresso immer mit Zucker bestellt.

wird fortgesetzt 

Mittwoch, 22. Juli 2015

Warum (manche) Linke über den Islam nicht reden können (6)



Im Islam-Diskurs des linken mainstreams gibt es also Unverstandenes. Diesem Unverstandenen habe ich mich im Interview (und in meinem neuen Buch) zu nähern versucht. Nicht zuletzt aus der Überlegung heraus, daß die Erkenntnis ihrer blinden Flecken in Sachen „Islam“ die Linke befähigen könnte, die neuen rassistischen Hetzer wirksam zu bekämpfen, statt ihnen immer wieder auf den Leim zu gehen. Bei der Analyse der Positionen des linken mainstreams in der Islam-Debatte (etwa bei der Analyse der Formel: „Die Ablehnung des Islam = rassistisch) geht es daher um alles andere als um die „‚Das wird man doch noch sagen dürfen’-Freiheit“, wie es im Kommentar heißt. Und selbstverständlich nicht darum, das Selbstverständliche zu leugnen. Also zu leugnen, daß der rechte Diskurs „kaum etwas so ausdauernd [...] beklagt [...] wie ‚Parallelgesellschaften’ und ‚islamische Integrationsverweigerer’“. Sondern darum, zu verstehen, wie es dazu kommt, daß in Reaktion auf jenen rassistischen, ständig über „Parallelgesellschaften“ und „islamische Integrationsverweigerer“ klagenden Diskurs - der Diskurs des linken mainstreams die Ablehnung eines Glaubenssystems als Rassismus auffaßt. Denn das bloße Zurückweisen der Formel „Die Ablehnung des Islam = Rassismus“ als Unsinn vermag weder ihre Entstehung noch ihre Wirkmächtigkeit zu erklären.

Da aber die Kommentatorin davor zurückschreckt, ihre „Volle-Identitäts-Brille“, sei es auch nur probeweise, abzunehmen, sieht sie auch die Kritik am Gedanken der vollen Identität durch die Brille der vollen Identität. Weil sie also nicht zu sehen vermag, daß es diese ihre Brille ist, die jene volle Identität zwischen dem „Islam“ und vermeintlichen oder tatsächlichen Moslems erst herstellt (Stichwort: „Muslimness“), muß sie schon den Hinweis auf die – an sich triviale - Tatsache, daß es sich beim „Islam“ um ein Bekenntnis handelt, und daß ein Bekenntnis Anerkennung, aber auch Ablehnung hervorrufen kann, unweigerlich mit dem Gedanken an die Ablehnung jener Menschen verknüpfen, die als vermeintliche oder tatsächliche Moslems Objekte rassistischer Ressentiments sind. Und mit der Klage jener Hetzer von FPÖ, Pegida und Co. über das angebliche Fehlen jener ‚Das-wird-man-doch-noch-sagen-dürfen’-Freiheit.

Sie übersieht dabei, oder sie unterschlägt, daß eben dieser rechte Diskurs und ihre zentralen Begriffe („Parallelgesellschaften“, „unsere Kultur“, „fremde Kultur“, „Leitkultur“, „Integration“ etc.) in meinem, im Interview vorgestellten Buch einer radikalen Kritik unterzogen werden. Und daß ich zu zeigen versuche, daß es nicht zuletzt mit dem Versagen jenes (den Voraussetzungen seines eigenen Diskurses gegenüber blinden) linksliberalen mainstreams zu tun hat, daß es den Rechten in den letzten Jahren gelungen ist, bis tief in die politische Mitte hinein die Diskurshoheit zu erobern.

Da sie ihre „Volle-Identitäts-Brille“ also weder wahr- noch abnehmen will, muß die Kommentatorin immer wieder Offensichtliches leugnen. Etwa dort, wo sie schreibt, daß IslamkritikerInnen „allein deshalb kritisiert [werden], weil sie immer wieder rechtsreaktionäre Positionen vertreten und sich dabei auch zu absolut skandalösen Aussagen versteigen.“ Daß skandalöse rassistische Aussagen, natürlich auch dann, wenn sie von IslamkritikerInnen stammen (so etwa Necla Keleks Behauptung, moslemische Männer seien „generell triebgesteuert“ und würden es „notfalls auch mit Tieren treiben“), auf das Schärfste zu verurteilen sind, versteht sich von selbst. IslamkritikerInnen sind genauso wenig sakrosankt wie der Islam. Aber die Frage der InterviewerInnen – auch das unterschlägt die Kommentatorin - bezog sich auf etwas anderes. Sie wollten wissen, warum IslamkritikerInnen, die „biographisch selbst eine Geschichte mit dem Islam haben, von linker und liberaler Seite“ mitunter „ein geradezu irrationaler Haß“ entgegenschlägt. In meiner Antwort ging es folglich um die Analyse einer spezifischen Reaktion auf eine spezifische Gruppe von „IslamkritikerInnen“ - nicht um die Frage, warum IslamkritikerInnen generell kritisiert werden.

Daß solche Reaktionen „von linker und liberaler Seite“ auf jene IslamkritikerInnen, die „biographisch selbst eine Geschichte mit dem Islam haben“, existieren, weiß ich aus jahrelanger eigener Erfahrung. Ich habe zwar „biographisch“ keine „Geschichte mit dem Islam“, und sehe mich auch nicht als „Islamkritiker“ (wenn ich über den Islam schreibe, geht es mir vor allem darum, was „uns“ - in Europa – „unsere“ Position zum „Islam“ über „uns selbst“ sagen könnte), ich bin aber als Iraner für die neuen Rassisten ein „optischer Moslem“. Von linker und liberaler Seite wiederum begegne ich jenem „geradezu irrationalen Haß“ vor allem dann, wenn ich mich beim öffentlichen Nachdenken über Probleme in islamisch geprägten Gesellschaften unter anderem auch auf den „Islam“ – und nicht bloß auf die bequeme Ausweichformel „Islamismus“ –  beziehe. Daß  nicht alle Linken und Liberalen, denen ich bei solchen Gelegenheiten begegne, auf diese meine Überlegungen mit „irrationalem Haß“ reagieren, versteht sich von selbst.

Von meinen persönlichen Erfahrungen abgesehen, hält die Behauptung, IslamkritikerInnen, die (so die InterviewerInnen) „biographisch selbst eine Geschichte mit dem Islam haben“, würden (so die Kommentatorin) „allein deshalb kritisiert, weil sie immer wieder rechtsreaktionäre Positionen vertreten“, auch der oberflächlichsten Überprüfung nicht stand. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Was immer man Mina Ahadi, iranische Kommunistin und Zentralfigur der deutschen Ex-Muslime, vorwerfen mag, rechtsreaktionäre Positionen hat sie niemals vertreten. Dennoch wird sie von linksliberaler Seite immer wieder kritisiert, und als „Hysterikerin“, der ihre persönliche Betroffenheit ein angemessenes Reden über den Islam verunmöglichen würde, verunglimpft. Auch der im Interview erwähnte Hamed Abdel-Samad ist nie durch rassistische Aussagen aufgefallen. Dennoch wird auch er von linken und liberalen Kritikern regelmäßig, und mitunter vernichtend, kritisiert (etwa von Joseph Croitoru oder Michael Lüders). Und besagte Necla Kelek wurde nachweislich auch vor 2010, dem Jahr, in dem sie jene skandalöse, rassistische Aussage tätigte, von linksliberaler Seite kritisiert. Gleiches gilt für Ayaan Hirsi Ali und ihre – nicht minder skandalöse – Aussage über Anders Breiviks Manifest. Auch sie war lange vor dieser Aussage Objekt linker und liberaler Kritik.

Um Mißverständnisse zu vermeiden: Selbstverständlich ist nicht jede Aussage einer IslamkritikerIn (auch dann wenn es sich nicht um rechtsreaktionäre oder rassistische Aussagen handelt) „richtig“. Und selbstverständlich haben (linke, liberale und sonstige) KritikerInnen von IslamkritikerInnen nicht immer unrecht. Die Aussage, Islamkritiker würden „allein deshalb“ kritisiert, weil sie immer wieder rechtsreaktionäre Positionen vertreten, ist aber offensichtlich falsch. Und zeigt eindrücklich, wie falsches Bewußtsein, um als wahres zu erscheinen, immer wieder gezwungen ist, die Realität abzuschaffen.

Ende